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Wandern auf dem Heinrich-Heine-Weg bei Ilsenburg

Eine Wandererin betrachtet einen großen, umgestürzten Baum in einem Flusstal. Bemooste Felsen liegen rechts und links am Weg.
Die Natur mit Wald, Felsen und umgestürtzen Bäumen lässt Wanderer im Ilsetal immer wieder staunen. Foto: Kai-Uwe Ruf

Romantisch, aber auch ein wenig wild

Ein Fluss fließt zwischen Felsen hindurch bergab.
Die Ilse findet ihren Weg zwischen Steinen hindurch und bildet dabei immer wieder kleine Teiche. Foto: Kai-Uwe Ruf

„Hier besser nicht“, empfiehlt die freundliche Dame, gleich als wir ausgestiegen sind. Wir haben unser Auto mühsam und ganz vorsichtig an ein Eck in der Seitenstraße eines Wohngebiets in Ilsenburg bugsiert. Trotzdem war es offenbar keine gute Idee. „Hier wird immer kontrolliert“, warnt die Dame, die dafür extra ihre Gartenarbeit unterbrochen hat. An der Ilse gibt es einen großen Wanderparkplatz. Außerdem könne man sein Auto auch im Ort auf den Parkflächen der Einkaufsmärkte abstellen.

Wir entscheiden uns für den Wanderparkplatz. Der ist leicht zu finden – am Ortsausgang, dort wo der Heinrich-Heine-Wanderweg beginnt. Für uns ideal: Schließlich wollen wir ohnehin die Oker hinauf wandern.

Der Wanderparkplatz ist groß. Aber an diesem Sonntag gibt es auch einen riesigen Ansturm an Wanderern, die das Okertal hinauf wollen. Ich stelle mich am Ende einer langen Schlange an, um ein Parkticket zu ziehen. „Mist“, denke ich, „das wird ja ewig dauern.“ Aber es geht wirklich schnell. Nach ein paar Minuten habe ich das Ticket in der Hand und während des Wartens auch noch nett mit meinem Vordermann geschnackt. Mit ein wenig gutem Willen geht das alles ganz locker.

Und dann werde ich gleich noch einmal positiv überrascht. Auf dem Weg das Ilsetal hinauf bleiben meine Frau und ich trotz des großen Ansturms meist für uns. Nur ab und an überholen wir jemanden oder folgen einer kleinen Gruppe das Tal hinauf, in das der Fluss sein Bett teils tief eingeschnitten hat. Der Weg zieht sich mal rechts, mal links der Ilse entlang. Das Wasser stürzt über Felsen hinab und bildet dabei manchmal kleine Teiche. Wer möchte, findet schöne Spots zum Fotografieren oder auch für eine Picknick-Pause. Und wer sich für Hintergründe interessiert, kommt ebenfalls nicht zu kurz: Der Harzer Tourismusverband hat mehrere Info-Tafeln aufgestellt, die über Natur, Geologie und Heinrich Heine Auskunft geben.

Je weiter wir gehen, desto anspruchsvoller wird der Weg. Durch einen Buchenwald geht es immer wieder an schroffen Felsformationen vorbei. Links der Ilse muss man den Tritt teils sicher setzen. Wir kommen am Ilsestein vorbei und an den Ilsefällen, einem beliebten Fotomotiv.

Heine, der romantische Dichter aus dem 19. Jahrhundert, ist irgendwie immer mit dabei. Den Ilsestein hat er in seinem „Buch der Lieder“ in einem Gedicht verewigt. „Die Ilse“ heißt es. Allen, die nicht nur gerne wandern, sondern auch gerne lesen, empfehle ich es von Herzen.

Wie gut war Heine wohl zu Fuß?

Eine Wandererin steht im Herbstwald auf einer Eisenbrücke, die über einen Fluss führt.
Auf Brücken können Wanderer die Ilse queren. Trotzdem sollte man zwischen den Felsen mit sicherem Tritt unterwegs sein. Foto: Kai-Uwe Ruf

Aber auch wer beim Wandern nicht an Lyrik denkt, dem kommt der Schriftsteller hier wohl nicht wirklich aus dem Sinn: Als sich an einer schwierigen Passage sogar ein kleiner Stau bildet, sagt ein Mann vor mir erstaunt und mit Respekt: „Mensch, der Heine muss wirklich gut zu Fuß gewesen sein.“ Das war Heinrich Heine damals während seiner Studentenjahre wohl auch. Bis etwa 40 Kilometer soll er an einem Tag zu Fuß zurückgelegt haben.

Trotzdem muss man es hier ganz deutlich sagen: Den Heinrich-Heine-Weg ist der Dichter nie so gegangen, wie er heute ausgeschildert ist. Heine war bei seiner Harzreise genau umgekehrt unterwegs. Er kam vom Brocken herunter nach Ilsenburg. Und auch dabei stiefelte er nur in Teilen die Strecke entlang, die heute als Heinrich-Heine-Weg ausgewiesen ist.

 Am 21. September 1824 machte er sich vom Brockenwirt aus auf den Weg Richtung Ilsenburg. 20 andere Gäste sollen dabei gewesen sein. In der Nacht zuvor hatten sich zumindest einige von ihnen mächtig besoffen – und zwar deutlich über das Maß hinaus, dass sie vertrugen. Heine schildert das höchst plastisch in seiner „Harzreise“.

Nach Ilsenburg ging es dann auf einem alten Wanderweg über die „Schneelöcher“. Die Strecke gehört heute zum Kerngebiet des Nationalparks. Die alten Wege existieren größtenteils nicht mehr. So berichten es zumindest Rainer Hartmann, Brigitta Stammer und Günter Blümel in ihrem Buch „Die Harzreise von Heinrich Heine“. Als Heinrich-Heine-Weg habe die Gemeinde Ilsenburg einen Wanderweg markiert, der teilweise auf militärischen Streifenwegen verlaufe.

Der Heine-Weg und Alternativen

Das schmälert aber weder für Wanderfreunde noch für Heine-Liebhaber das Vergnügen. Der „Heinrich-Heine-Weg“ ist auch so eine wunderschöne Wanderstrecke. Man kommt am Ilsestein und den Ilsefällen vorbei. Sogar ein Heine-Denkmal erinnert an den Dichter. Es geht durch Buchenwälder und an schroffen Felsen entlang. Das Ganze hat wirklich Flair. Mich beeindruckt es immer wieder. Ich finde: Was Heine damals als wild-romantisch empfunden haben mag, kann man immer noch erleben. Und wenn es mal wieder eng wird zwischen den vielen anderen Wanderern, hilft es vielleicht, sich zu erinnern, dass auch Heine nicht alleine unterwegs war. Romantik findet eben meist im Kopf statt.

Der Heinrich-Heine-Weg, der heutzutage ausgeschildert ist, ist ein 24 Kilometer langer Rundweg. Von Ilsenburg führt er durch das romantische Ilsetal bis hinauf zum Brocken. Das sind ungefähr 10,5 Kilometer. Als Alternative folgt man auf dem Rückweg der Brockenstraße Richtung Schierke und biegt nach etwa drei Kilometern links ab auf den Gelben Brink. Von dort geht es über die Bremer Hütte und die Ilsefälle wieder zurück nach Ilsenburg.

 Wir sind den Weg gar nicht bis zum Brocken hinaufgegangen, sondern an der Bremer Hütte nach links abgebogen. Von dort führt ein breiter, gut gangbarer Weg an der Seite des Unteren Gebberts Bergs entlang langsam ins Tal. Auch das ist eine schöne, empfehlenswerte Variante.


Foto: HD Sandhagen
Foto: HD Sandhagen

Viele Dichter waren im Harz zum Wandern unterwegs. Im 19. Jahrhundert war das norddeutsche Mittelgebirge geradezu populär. Goethe, Heine, Eichendorff und andere schnürten die Wanderstiefel. Sie alle zog es hinauf auf den Brocken, teilweise auf unterschiedlichen Strecken. Heute erinnert auch der Goetheweg an diese Zeit. Ich finde aber den Heinrich-Heine-Wanderweg weitaus attraktiver. Er verdient wirklich das Attribut "romantisch".  Machen auch Sie sich auf - und lesen Sie danach Heines Gedicht "Die Ilse". Es lohnt sich.


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Unterwegs rund um den Oderteich im Harz


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Kommentare: 1
  • #1

    Jürgen (Samstag, 08 Juli 2023 16:03)

    Sehr schön und interessant geschrieben . Ich freue mich immer wieder, so etwas zu lesen.