· 

Sehnsucht nach dem Schwimmen im See

Eine Schwimmerin schwimmt in einem See. Sie trägt einen Neoprenazug und eine Bademütze, um sich vor der Kälte zu schützen.
Eine Triathletin startet im Neoprenanzug zum Schwimmtraining im See. Foto: Kai-Uwe Ruf

Die kalten Verlockungen des Sees in der sonne

 

 

Zuerst herrscht die reine Vorfreude. Endlich rein ins Wasser, wieder schwimmen. Seit November war das nicht mehr möglich, nicht im See und auch nicht im Schwimmbad. Wegen der Corona-Auflagen sind die meisten Bäder immer noch geschlossen. Nun lockt der See, die Sonne scheint, es könnte endlich losgehen. Aber im See ist es immer noch extrem kalt. 14 Grad hat ein Vereinskollege für den Heidbergsee gemessen. Auch mit Neoprenanzug und Neoprensocken ist das für mich eine Herausforderung.

 

Ich stehe bis zur Hüfte im Wasser. Bis dahin war es einfach. Dann gehe ich langsam in die Knie. Ich weiß schon vorher, was nun passiert: Das kalte Wasser dringt langsam durch den Reißverschluss des Anzugs, und verteilt sich auf dem ganzen Körper. Jetzt hilft nur noch Bewegung. Schnell kraule ich los, aber nach ein paar Zügen bin ich schon richtig aus der Puste. Es ist gar nicht so sehr die Kälte im Anzug, die das Schwimmen schwierig macht. Aber die ungeschützten Hände schmerzen bald, der Kopf wird kalt und ich kriege wirklich schlecht Luft.

 

Nach ein paar Minuten bin ich schon wieder raus auf dem Wasser. Es sind miese Bedingungen für ein sinnvolles Training - für mich zu schlecht, entscheide ich, während ich mich in ein warmes Handtuch hülle.

 

Aber was sagt eigentlich ein Fachmann?

Ab welchen Temperaturen ist Schwimmtraining im See sinnvoll?

Wie kommt man nach der langen Pause am besten im Wasser zurecht?

Und stellt der Trainingsrückstand wirklich ein Problem für die Wettkampfsaison dar?

 
Es mag ein paar ganz Harte geben … “, sagt der Sportwissenschaftler André Albrecht, der in Wolfsburg das Institut für Trainingsoptimierung INTRO betreibt und auch niedersächsischer Landestrainer Triathlon ist. “Aber für die meisten sei es nicht hilfreich bei 12 bis 14 Grad im See zu trainieren." Das Wasser sei schlicht zu kalt. Der Körper kühle zu schnell aus.

 

"Ich würde von operativer Hektik abraten"

Ein wenig Geduld ist noch gefragt, auch wenn der See schon lockt. “Ich würde jetzt von operativer Hektik abraten”, betont André Albrecht: “Ich würde abwarten, bis das Wasser 18 oder 19 Grad hat und dann mit Neopren reingehen. Bei 14 oder 15 Grad im Wasser sei ohnehin kaum sinnvolles Training möglich. Wegen der Kälte könne man selbst im Neoprenanzug nur nach der Dauermethode trainieren. Weil in der langen Pause aber die Technik gelitten habe, versaue man sich damit den Schwimmstil eher noch mehr. Wichtig sei es beim Neuanfang, auf die Technik zu achten und in kurzen Rhythmen zu trainieren - beispielsweise zehnmal 50 Meter oder zehnmal 100 Meter - immer mit Pausen dazwischen, in denen man sich neu konzentrieren könne.

Vorsicht: Auf keinen Fall allein ins kalte Wasser

Die Ungeduld ist verständlich, findet André Albrecht. Trotzdem empfiehlt er Gelassenheit. Viele Sportler seien genervt, wegen der Einschränkungen und der vielen Ungewissheiten. Dabei sei die Situation für die Triathleten gar nicht so schlecht. Radfahren und Laufen könne man schließlich trainieren, wenn auch nicht in Gruppen. “Und die Situation ist für alle gleich. In Sachen schwimmen fangen alle bei Null an. Fast niemand konnte im Winter im Schwimmbad trainieren.” Ausnahmen gab es lediglich für Kaderathleten, die am Olympiastützpunkt Wasserzeiten nutzen konnten.

 

 

Muss man nun schnell in den kalten See?

 

Nein, sagt André Albrecht. Viele Veranstalter hätten ihre Wettkämpfe bereits verschoben. Der Zeitdruck sei daher nicht so groß. Wer den Verlockungen des Sees aber nicht mehr widerstehen könne, solle vorsichtig sein und auf keinen Fall allein ins Wasser gehen. Das ist viel zu gefährlich.”

Kommentar schreiben

Kommentare: 0