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Auf dem Fietsen-Netzwerk durchs Vechtetal - Königstag in Ommen

eine Radfahrerin steht auf einer Brücke und blickt auf einen Kanal hinunter. Im Hintergrund sieht man Wiesen und Bäume und einen Streifen Wald. Am Kanal stehen Bäume.
Das Vechtetal mit seinen Kanälen, Wiesen und Wäldern lädt zum entspannten Radfahren ein. Foto: Kai-Uwe Ruf

Grenznah, idyllisch und  oranje

Wir waren mit unserem Campervan in Overijssel unterwegs. Die niederländische Region liegt nur einen Katzensprung entfernt von Osnabrück und dem Ruhrgebiet. Das Vechtetal mit seiner idyllischen Natur bietet Gelegenheit zu entschleunigen. Radler freuen sich über das fantastische Radwege-System des FietsNetwerks. Wer am Königstag da ist, kann außerdem die Niederländer beim Feiern erleben.

  

Ja, so schön kann Fahrradfahren sein. Direkt vor unserem Campingplatz im Vechttal bei Beerze führt der Radweg vorbei. Er ist breit, fast so breit wie eine Autospur auf der benachbarten Straße und viel breiter, als wir es von Deutschland gewohnt sind. Zwei Räder können locker nebeneinander fahren. Wenn Gegenverkehr kommt, wechseln wir kurz in eine Einerreihe, dann geht es wieder entspannt nebeneinander weiter. Links blicken wir auf Felder, hinter denen sich die Vecht durchs Tal schlängelt, auf der rechten Seite gibt es einen kleinen Wald. Nach ein paar leichten Kurven fahren wir an den reetgedeckten Bauernhäuser von Beerze entlang.

 

Das ist wirklich idyllisch. Wir spüren, dass wir Zeit haben. Das Tempo spielt schon nach ein paar Kilometern keine Rolle mehr. Der Stress fällt ab, und er kommt auch nicht wieder. Kein Auto bedrängt uns.

 

 

Ein perfektes Netzwerk zum Radeln

 

 

FietsNetwerk Vechtdal heißt das Radwegesystem rund um Ommen. Es funktioniert hervorragend und ist denkbar einfach konstruiert. Gleich bei Beerze stoßen wir erstmals auf eines der Schilder mit einer großen Karte, auf der alle Wege verzeichnet sind. Sämtliche Wegpunkte sind nummeriert. Die Nummern findet man entlang der Radstrecken auf kleinen Schildern wieder. Wenn man sich die Nummern merkt oder auf einem Zettel notiert, kann man sich prima orientieren.

 

Sicher könnte man auch mit den bekannten Internet-basierten Programmen navigieren. Hier ist das aber gar nicht nötig. Man ist sogar variabler. Wenn man Zeit und Lust hat, baut man einfach eine zusätzliche Schleife in die Tour ein oder man kürzt den geplanten Weg. Das FietsNetwerk Vechtdal unterstützt Spontaneität.

 

Wir profitieren mehrmals davon. Spontan erweitern wir unsere Tour nach Hardenberg um ein paar Stationen, weil es so schön ist, durch die Felder und die Waldstücke zu radeln. Auch bei unserem Ausflug zum Lemeler Berg sind die Schilder mit den Nummern nützlich.

 

Lemeler Berg??? Ja!!! Die Provinz Overijsel ist flach, und im Vechttal hat der Fahrradcomputer kaum Gelegenheit, einen Höhenmeter zu registrieren. Aber der Lemeler Berg ragt mit 60 Metern über die Landschaft aus Heideflächen und Laubwäldern hinaus. Das klingt nicht viel, als wir jedoch gemütlich hinauffahren, rast ein ambitionierter Rennradler an uns vorbei und stoppt oben an der Kuppe sogar die Zeit, die er benötigt hat. Keine Frage: Der Lemeler Berg wird von Radsportlern aus der Region ambitioniert fürs Training genutzt.

 

Wir rollen begab und fahren weiter Richtung Ommen. Wir stoppen keine Zeit, trotzdem haben wir es nun eilig. Dunkle Wolken kündigen Regen an. Wir haben keine Regenjacken mit und wollen noch trocken nach Hause kommen. Die geplante Tour kürzen wir einfach. Das FietsNewerk Vechtdal macht es problemlos möglich.

 

 

An einer Stange sind kleine Schilder montiert. Sie tragen Nummern und Pfleile.
Schilder zeigen, wo es zum nächsten Knotenpunkt geht. Das Fietsnetzwerk Vechtdal macht die Orientierung leicht. Foto: Kai-Uwe Ruf
Ein Fahrrad steht an einem Fluss vor einem Schild mit einer großen Karte.
Mit großen Schildern und Karten macht das Fietsnetwerk Vechtdal es Radlern leicht, sich zu orientieren. Foto: Kai-Uwe Ruf

Niederländische Lebensart - Der Königstag

 

 

Die Ruhe in der Natur macht das Tal zu einem Idyll. Aber am 27. April ist alles anders. Dann feiern die Niederländer ihren Koningsdag, den Königstag. Dann verwandeln sie ihre Städte in ein Meer aus Oranje und den drei Farben der Nationalflagge: rot, weiß und blau.

 

Wir erleben das in Ommen. Als wir dort mit unseren Rädern die Brücke über die Vecht überqueren, ist in dem kleinen Städtchen schon die Party in Gange und wir staunen, als uns drei Frauen Arm in Arm entgegenkommen. Vielleicht hat die mittlere ihren Kajalstift ein wenig zu kräftig aufgetragen. Aber was heißt schon „zu kräftig“? Er muss ein paar braune Augen betonen und sich dabei durchsetzen im Wechselspiel einer bunten Farbenpracht. Die junge Frau hat sich auch ihre Wangen mit dicken Strichen bemalt: rot, weiß, blau - in den Farben der niederländischen Nationalflagge. Sie trägt ein orangenes Shirt, eine orangene Kappe schmückt ihre Haare. Die beiden Freundinnen, mit denen sie über den kleinen Markt an der Vechtkade in Ommen bummelt, sind genauso gestylt, und sie sind nicht allein. Die Innenstadt ist voller Menschen. Die meisten, die an diesem Tag die Straßencafés und Bars der kleinen niederländischen Stadt im Vechttal bevölkern, tragen ebenfalls Oranje. Viele haben sich auch die Farben der Nationalflagge aufs Gesicht gemalt. Orange ist überall.

 

Wir sind schlecht vorbereitet und wissen zunächst gar nicht, was los ist. Wikipedia hilft: Jedes Jahr am 27. April ist in den Niederlanden Königstag. Seit 2014 wird er zu Ehren von König Willlem-Alexander gefeiert. Es gibt Paraden, Volksfeste, Konzerte und Flohmärkte. Interessant auch: Die Einkünfte an diesem Tag sind steuerfrei.

 

Eigentlich wollten wir nur in Ruhe einen Kaffee trinken, aber das klappt nicht. Es gibt schlichtweg keine freien Plätze. Alt und jung feiern gemeinsam, Viele von ihnen sind mit dem Fahrrad gekommen. Es gibt reichlich Fahrradparkplätze in Ommen, aber heute ist es am frühen Abend trotzdem schwierig, einen Platz zu finden, an dem wir unsere Räder abstellen können.

 

Wir erleben den Königstag fröhlich und stressfrei. Die Ommener bleiben entspannt, auch wenn reichlich Orangenlikör (Oranje Boven) ausgeschenkt wird und viel Bier fließt.

 

Im Zentrum spielen gleich zwei Bands. Auf der kleinen Bühne an der Vechtkade gibt es Oldies aus den 70er Jahren. Auf der großen Bühne, nicht weit entfernt, nahe der Kirche, geht es mit Musik aus den 80er-Jahren deutlich rockiger zu. Die Sängerin - mit schwarzen Hosen und orange-farbenem Top - stimmt alte Blondie-Hits an. Zwei Gitarren dröhnen dazu um die Wette, die Menschen vor der Bühne singen begeistert mit.

 

Man muss sich hier nicht festlegen. Viele Feiernde wechseln von einem Ort zum anderen. Jugendliche sind mit Fahrrädern unterwegs. Manchmal reichen dabei drei Räder für vier Personen, Einer oder eine findet dann eben auf einem Gepäckträger Platz.

 

Die Tradition des Königstags geht weit zurück. 1889 feierten die Niederländer erstmals einen Prinzessinnentag. Anlass war der Geburtstag von Prinzessin Wilhelmina am 31. August. Der Tag sollte die nationale Einheit kräftigen und lokale Erntefeste ersetzen. Nachdem Prinzessin Juliana 1948 zur Königin wurde, wurde der Königinnentag an ihren Geburtstag, den 30. April verlegt. Seit Willem-Alexander König ist, wird am 27. April gefeiert. Wenn der Tag auf einen Sonntag fällt, finden die Feste bereits am 26. April statt – schließlich ist es ein zusätzlicher freier Tag. Ausfallen soll er nie.

 

Eine Straße führt durch eine Ebene. Neben ihr ist ein breiter Fahrradweg angelegt. In der Kurve ist ein Rastplatz angelegt.
Fürs Radfahren gemacht. Neben der Straße haben die Niederländer im Vechtetal einen breiten Radweg angelegt. Foto: Kai-Uwe Ruf
An einem Fluss stehen im Abendlicht eine alte Windmühle und ein paar Häuser.
Typisch Neiderlande: Die Vecht bei Ommen mit Blick auf eine Windmühle. Foto: Kai-Uwe Ruf

grenznah, fahrradfreundlich, naturverbunden

 

 

Am nächsten Tag ist wieder Ruhe eingekehrt. Lediglich auf den Fingernägeln einer Kellnerin in einem Café in Hardenberg sehe ich noch drei farbige Streifen: rot, weiß, blau.

 

Das Tal der Vechte ist eine attraktive und beliebte Fahrradregion, auch wenn es fast ganz flach ist. Viele Radsportler sind dort nach Feierabend auf ihren Trainingsrunden unterwegs, Bikepacker radeln auf Mehrtagestouren das Tal entlang, und Touristen genießen ihre Tagesausflüge. Es gibt zahlreiche Campingplätze, manche mit großen Freizeitparks, andere sind ruhiger und betont naturnah wie der in Roos bei Beerze oder Lemeler Esch beim Lemeler Berg.

 

Für Naturfotografen wird in der Provinz Overijssel oft der Sallandse Heuvelrug Nationalpark empfohlen. Vielleicht fahren wir dort das nächste Mal hin. Diesmal habe ich meine Aufnahmen etwas weiter nördlich, in der Nähe von Beerze gemacht.

Hier gibt es eine Geschichte dazu:  Schwalben  im Flug fotografieren 

 

 

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