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Fontvieille - Charmante Provinz am Rand der Alpilles

Vor einem Restaurant stehen Tische, die mit Strohhüten und Pflanzen dekoriert sind. Das Restaurant liegt an an einer Straße in einem Dorf mit alten Häusern. Gegenüber ist ein Haus mit alten Windmühlenflügeln zu sehen.
Liebevoll dekoriert laden die Tische eines Restaurants in Fontvieille ein, Pause zu machen und die Atmosphäre im Dorf zu genießen. Foto: Kai-Uwe Ruf

Wo dörfliche Idylle und herzliche Menschen zusammentreffen

 

 Groß oder klein, turbulent oder ruhig, Stadt oder Land, Arles oder Fontvieille – wir haben uns bei unserem Provence-Trip für die entspannte Variante entschieden. Statt in die bekannte und überaus belebte Metropole Arles zu fahren, haben wir das Dorf Fontvieille als Ziel gewählt. 3500 Menschen leben dort. Während der Ferienzeit dürften es etwas mehr sein, aber ruhig ist es auch dann allemal.

 

Von Fontvieille sind es nur ein paar Meter bis zum großen Naturpark Les Alpilles. Zum Wandern, Radfahren und Seele baumeln lassen ist das ein Paradies. Auf dem Campingplatz am Dorfrand fühlen wir uns schon wie mitten in der Natur, obwohl es nur etwa ein Kilometer bis hinunter ins Dorf ist. Die Action des modernen Lebens bleibt außen vor.

 

Wir bummeln zu Fuß nach Fontvieille. Ein schmaler Weg führt zunächst durch den Wald und dann am Château de Montauban vorbei. Das vornehme Schlösschen aus dem 19. Jahrhundert ist direkt an ein Bauernhaus angebaut, das bereits ein Jahrhundert vorher dort stand. Im Schloss wohnte die Familie Ambroy, bei der der Dichter Alphonse Daudet ab 1863 immer wieder zu Gast war. Interessant ist das vor allem deshalb, weil man rund um Fontvieille immer auf den Namen Daudet stößt. Ganz in der Nähe des Châteaus gibt es eine Mühle, die seinen Namen trägt. Dort soll er Geschichten geschrieben und als Briefe nach Paris geschickt haben.

 

Die Mühle als Entstehungsort ist allerdings wahrscheinlich Teil der Fiktion und die Mühle daher gar nicht der Ort, an dem der Dichter seine kurzen Erzählungen schrieb. Meiner Vorstellungskraft im Urlaub ist das aber zunächst egal. Die Mühle kann man besichtigen, und als wir dort am Ende einer Radtour Pause machen, kann ich meine Fantasie schön ausschweifen lassen. 

 

Die Reste eines alten Bauernhauses werden von der Sonne beschienen. An der Wand ist eine Sonnenuhr zu sehen.
Auf der Rückseite des Chateau des Montauban befinden sich die Reste eines Bauernhofs aus dem 18. Jahrhundert. Foto: Kai-Uwe Ruf
Ein Schlösschen aus dem 19. Jahrhundert steht zwischen Bäumen in einem kleinen Waldstreifen.
Das Chateau de Montauban am Rand des Dorfs Fontvieille zeigt die mondäne Vergangenheit des Ortes. Foto: Kai-Uwe Ruf

Und so geht es in Fontvieille und den Les Alpilles. Stetig sind die Gedanken unterwegs und man kommt vom Thema ab. Eigentlich wollte ich doch zuerst vom Dorf erzählen. Das Zentrum hat den Charme eines Provinzstädtchens aus dem 19. Jahrhundert.

 

Dabei ist es deutlich älter. Die Quelle, die dem Dorf den Namen gab, wurde bereits zur Römerzeit genutzt. Die Pfarrkirche Eglise Saint Pierre wurde im 18. Jahrhundert erbaut. Auffällig: Die beiden Türme sehen sehr unterschiedlich aus. Der Grund dafür: Sie wurden im Abstand von etwa 100 Jahren errichtet (1765 und 1866). Nachlesen kann man das auf der Internetseite alpillesenprovence.com

 

Am Dorfrand gibt es zahlreiche Ferienhäuschen. Im Zentrum finden wir wenig für Touristen – ein paar Restaurants, Cafés und ein kleines Geschäft, das sogar noch Postkarten verkauft. Wir nehmen ein paar Erinnerungsstücke mit, die wir den Enkeln schicken wollen. Am Platz an der großen Kreuzung gleich neben der Tourist-Information hat sich eine Art Dorftreffpunkt etabliert. Ein Café hat Tische, Stühle und Schirme aufgestellt. Einheimische sitzen dort bei einer Tasse Kaffee und einige sogar bei einem frühen Bierchen. Wer möchte, liest Zeitung, wer nicht lesen möchte, schaut den Passanten nach oder den Autos, die Richtung Arles oder Beaucaire fahren – so habe ich mir Frankreich immer vorgestellt.

 

Vor einem Geschäft in einer französischen Altstadt stehen Kirsten mit frischem Obst.
Frisches Obst, appetitlich präsentiert - so charmante Details bietet die Provence in Fontvieille. Foto: Kai-Uwe Ruf
Die Figur einer Frau steht auf einem Podest. In der einen Hand hält sie einen Stab, an dem eine französische Fahne weht.
Marianne verkörpert als weibliche Allegorie die französische Nation. Im Zentrum von Fontvieille steht sie geschmückt mit den Farben der Trikolore. Foto: Kai-Uwe Ruf

Wir setzen uns nicht an eines der Café-Tische. Lieber bummeln wir noch ein wenig durch den Ort. In der Nähe der Kirche entdecken wir ein kleines, familiäres Restaurant. „Les Coin des Amis“ heißt es. Als wir abends wiederkommen, um zu essen, stellen wir schnell fest, dass der Name Programm ist. Ein junges Pärchen betreibt das Restaurant. Die Einrichtung ist sehr individuell, jeder Tisch aus Second-Hand-Möbeln anders gestaltet. Es gibt nur eine kleine Tageskarte. Die Wirtin präsentiert die Speisenfolgen handschriftlich auf einer Schiefertafel. Sie erklärt, woher Fleisch und Gemüse stammen und wie der Koch sie auf Wunsch zubereiten wird. Aus Lautsprecherboxen klingt dezent Musik von Edith Piaf. Das Essen ist lecker, die Atmosphäre wunderbar entspannt – fast so, als wäre man bei Freunden Gast.

 

Für das Lob hier bekomme ich kein Honorar und es soll auch keine Werbung sein. Als ich im Februar 2026 den Text schreibe und mich noch einmal im Internet über das Restaurant informiere, sehe ich, dass es dort als „auf unbestimmt geschlossen“ gekennzeichnet ist. Ich hoffe sehr, dass die jungen Leute bald wieder öffnen. Es wäre schade, wenn nicht.

 

Für uns geht es an den nächsten Tagen mit Natur und Kultur weiter. Radausflüge in die Alpilles und nach Arles stehen auf dem Programm.

 

Eine Frau steht vor eine alten Windmühle auf einem Hügel. Neben dem Eingang zur Mühle steht ein Ständer mit Andenken.
Literarischer Ort und Ausflugsziel - die Mühle von Alphonse Daudet. Dass der Dichter dort seine "Briefe aus meiner Mühle" geschrieben hat, ist aber wohl Fiktion. Foto: Kai-Uwe Ruf
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